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Giganten-Kalender: Artenschutz

Die Erdgeschichte begann vor 4,6 Milliarden Jahren. Bei einer so langen Zeitspanne ist es nur sehr schwer möglich, die zeitgeschichtlichen Abstände in die richtige Relation zu bringen. Vielleicht gelingt dies besser mit dem kalendarischen Ablauf eines Jahres. Dabei entspricht ein Tag 12,6 Millionen Jahren, eine Stunde 525.000 Jahren und eine Minute 8.750 Jahren.

Die Entstehung der Erde ist demnach am 1. Januar um 0 Uhr geschehen und die Jetztzeit findet am 31. Dezember um 23:59 Uhr und 59,999 Sekunden statt.

Im jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte, dem Quartär, beginnt dann auch der Stammbaum des Menschen. Vor etwa 8 bis 5 Millionen Jahren trennten sich in Afrika zwei Entwicklungslinien, aus der einerseits die Schimpansen und andererseits die Menschen hervorgingen. Dieser afrikanische Ursprung der Menschheit, den viele Naturforscher längst vermutet hatten, ist heute durch genetische Untersuchungen nachgewiesen. Vor etwa 200.000 Jahren entstand der moderne Mensch in Afrika. Vor 14.000 Jahren waren dann alle Kontinente außer der Antarktis besiedelt, darauf folgte die Besiedlung der ozeanischen Inselwelt, die vor 800 Jahren mit der Besiedelung Neuseelands abgeschlossen war. Seither beeinflusst der Mensch alles Leben auf der Erde.

Verglichen zu den Zeiträumen, die andere Lebewesen bereits die Erde bewohnen, ist unsere Menschheitsgeschichte ein kleines Kapitel auf der allerletzten Seite des Lebens. Aber ein wichtiges. Wir sind die erste Art, die selbst erkennen kann, dass sie zu einer Gefahr für die gesamte lebende Welt geworden ist und zwar durch ihre schiere physische und intellektuelle Gegenwart. Doch was die Evolution in Milliarden von Jahren erschaffen hat, droht der Mensch nun in wenigen Jahrzehnten für immer von der Inventarliste der Erde zu streichen. Für viele Tiere und Pflanzen, die Hunderte von Millionen Jahren ohne Menschen überleben konnten, bricht das letzte Kapitel an.  

Es verbleiben wenige Tausendstel Sekunden am letzten Tag des Jahreskalenders der Giganten der Urzeit. Und erst ganz langsam beginnen wir zu handeln.

31. Dezember 23 Uhr 59 Minuten 59 Sekunden 745/1000 Sekunden
Am 3. März 1973 wird das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet, das zum Ziel hat den internationalen Handel soweit zu
kontrollieren, dass das Überleben von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten nicht gefährdet wird.

31. Dezember 23 Uhr 59 Minuten 59 Sekunden 836/1000 Sekunden
Der Forscher und Professor für Zoologie Edward Osborne Wilson prägt 1986 den Begriff der Biodiversität, eine Wortschöpfung, die aus
„Biological Diversity" abgeleitet ist. Biodiversität beinhaltet die Vielfalt der Arten, die Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt.

31. Dezember 23 Uhr 59 Minuten 59 Sekunden 977/1000 Sekunden
Die UN erklärt am 20. Dezember 2006 das Jahr 2010 zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt um damit dem Artenschutz Nachdruck zu
verleihen.

Noch bevor die Artenvielfalt überhaupt richtig erfasst ist, droht der Mensch einen Teil davon zu vernichten. Mit nachhaltigen Folgen für alle Bewohner dieses Planeten, denn in einem intakten Ökosystem spielt jedes Lebewesen eine Rolle, egal, wo es in der Nahrungskette steht und ob sein Nutzen unmittelbar erkennbar ist. Dieses Artensterben hat unabsehbare Folgen für die jeweiligen Ökosysteme und führt schließlich zur Zerstörung der Lebensgrundlagen aller Bewohner. Denn die Ausgewogenheit des Ökosystems ist dahin, wir befinden uns mitten in einem neuen Massensterben, welches der Mensch initialisieren wird. Binnen der nächsten hundert Jahre werden etwa 70 % aller Arten ausgestorben sein. Es fehlt nur noch der finale Paukenschlag.

Tui De Roy wird in dem Eröffnungsvortrag der 12. Internationalen Fürstenfelder Naturfototage am Freitag von diesen verschwindenden Wundern der Natur erzählen. Aufnahmen die zeigen, wie sensibel und gefährdet bereits weite Teile der Natur sind und wie kurz sie vor dem Aussterben stehen.

 

 
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